Indikatoren für (Fach-)Hochschulbibliotheken


- Beispiel Bayern -

 

Indikatoren sind ein Instrument des Qualitätsmanagements und der Leistungsmessung. Durch ausgewählte Indikatoren können für eine Bibliothek oder eine Gruppe von gleichartigen Bibliotheken Zeitreihen entwickelt werden, die einen Sachverhalt in periodischen Abständen darstellen. Die errechneten Werte können auch zu Vergleichen untereinander und zum Zwecke der Wettbewerbsanalyse (Benchmarking) herangezogen werden.

Indikatoren müssen hierzu eindeutig und klar definiert sein, um Fehlinterpretationen zu vermeiden. Ebenso muss der Berechnungsweg exakt beschrieben werden.

Die Konferenz der bayerischen Fachhochschulbibliotheken hat auf ihrer Sitzung im Februar 2001 eine Arbeitsgruppe "Indikatoren" eingesetzt. Die Arbeitsgruppe wählte Indikatoren aus, die aussagekräftig sind und dennoch mit geringem Aufwand errechnet werden können. Die Datenerhebung sollte nicht zu viel Zeit beanspruchen. Um Fehlinterpretationen zu vermeiden wurde versucht, die Parameter genau zu definieren, und der Berechnungsweg dargestellt. Die Indikatoren wurden in zwei Gruppen eingeteilt: in nachfrageorientierte und ressourcenorientierte Indikatoren.

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe haben für ihre eigene Bibliothek in einer Mustererfassungstabelle die errechneten Werte eingetragen. Zusätzlich wurden die Durchschnittswerte berechnet.

 

 

1. Nachfrageorientierte Indikatoren

  1. Prozentsatz der erreichten Zielgruppe ("Marktdurchdringung")
    Prozentsatz der Zielgruppe, der die Bibliothek benutzt. Ermittlung des Erfolges der Bibliothek beim Erreichen der Zielgruppe.
    A ÷ B x 100 % (auf ganze Zahlen runden)
    A = Zahl der aktiven Benutzer der primären Benutzergruppen (= Studierende und hauptamtliche Lehrpersonen der eigenen Hochschule)

    B = Zahl der Personen der primären Benutzergruppen (= Gesamtzahl der eingeschriebenen Studenten und hauptamtlichen Lehrpersonen der eigenen Hochschule)

  2. Prozentsatz der externen, aktiven Benutzer (ohne FL-Bibliotheken) im Bezug auf die Gesamtzahl der aktiven Benutzer
    A ÷ B x 100 % (auf ganze Zahlen runden)
    A = Zahl der externen, aktiven Benutzer (ohne FL-Bibliotheken)

    B = Anzahl der aktiven Benutzer im Jahr (ohne FL-Bibliotheken)

  3. Bestandsumsatz
    Ermittlung der Nutzungsrate des ausleihbaren Bestandes.
    A ÷ B (zwei Stellen hinter Komma)
    A = Anzahl der Ausleihverbuchungen im Jahr (inkl. Verlängerungen)
    B = Anzahl der ausleihbaren Medien im Bestand

  4. Ausleihen pro Kopf
    Ermittlung der Nutzungsrate durch die primären Benutzergruppen. Hinweis auf Qualität der Bestände und der Öffentlichkeitsarbeit der Bibliothek zur Nutzungsförderung.
    A ÷ B (auf ganze Zahlen runden)
    A = Anzahl der Ausleihverbuchungen im Jahr (inkl. Verl., ohne FL!) in den primären Benutzergruppen (= eingeschriebene Studenten und hauptamtliche Lehrpersonen der eigenen Hochschule)
    B = Anzahl der aktiven Benutzer der primären Benutzergruppen (s.o.)

  5. Mitarbeiter pro 1.000 Benutzer
    Ermittlung der Mitarbeiteranzahl, die für je 1.000 Benutzer der Zielgruppe bereit gestellt wird. Servicemöglichkeiten der Bibliothek.
    A ÷ B x 1000 (auf eine Stelle hinter Komma runden)
    A = Auf Ganztagsstellen umgerechnete Anzahl der Mitarbeiter im Jahr (nur besetzte feste Stellen, keine ABM, Praktikanten, Student. Hilfskräfte)
    B = Zahl der Personen der primären Benutzergruppen (= Gesamtzahl der eingeschriebenen Studenten und hauptamtlichen Lehrpersonen der eigenen Hochschule)

  6. Ausgaben für Publikationen pro Benutzer
    Ermittlung der Mittel für Publikationen, die für die Benutzer der Zielgruppe zur Verfügung stehen.
    A ÷ B (auf ganze DM runden)
    A = Ausgaben für Print-, AV- und elektronische Medien, inkl. Lizenzkosten für eBooks, eJournals, Datenbanken, inkl. Bindekosten
    B = Zahl der Personen der primären Benutzergruppen (= Gesamtzahl der eingeschriebenen Studenten und hauptamtlichen Lehrpersonen der eigenen Hochschule)

  7. PC-Ausstattung für Benutzer
    Ermittlung der PC-Anzahl, die für je 1.000 Benutzer der Zielgruppe zur Verfügung stehen, PC-Ausstattungsquote
    A ÷ B x 1000 (auf eine Stelle hinter Komma runden)
    A = Anzahl der PC-Arbeitsplätze (Office, OPAC, Internet, Multimedia), Keine Terminals!
    B = Zahl der Personen der primären Benutzergruppen (= Gesamtzahl der eingeschriebenen Studenten und hauptamtlichen Lehrpersonen)

  8. Vernetzte Arbeitsplätze für Benutzer
    Prozentsatz der vernetzten Arbeitsplätze im Bezug auf die Gesamtzahl der Arbeitsplätze. (Arbeitsplätze, die von der Bibliothek mit PCs bestückt sind, zählen hier nicht dazu, weder beim Parameter A noch beim Parameter B!)
    A ÷ B x 100 % (auf ganze Zahlen runden)
    A = Zahl der vernetzten Arbeitsplätze, die für die Benutzer zur Verfügung stehen (Arbeitsplätze mit Netzanschlüssen für mitgebrachte Endgeräte)
    B = Gesamtzahl der Arbeitsplätze, die für die Benutzer zur Verfügung stehen.

  9. Fernleihe (passiv) pro Benutzer
    A ÷ B (auf eine Stelle hinter Komma runden)
    A = Anzahl der passiven Fernleihbestellungen im Jahr
    B = Anzahl der aktiven Benutzer im Jahr

  10. Zweigstellenbestellungen (passiv) pro Benutzer
    A ÷ B (auf eine Stelle hinter Komma runden)
    Für Bibliotheken oder Bibliothekskooperationen, die ein Zweigstellensystem innerorts oder außerorts unterhalten
    A = Anzahl passiven Zweigstellenbestellungen des Bibliothekssystems im Jahr
    B = Anzahl der aktiven Benutzer im Jahr

  11. Prozentsatz der aktiven Fernleihe am Bestand
    A ÷ B x 100 % (auf eine Stelle hinter Komma runden)
    A = Anzahl der aktiven Fernleihbestellungen (inkl. aktive Zweigstellenbestellungen aus anderen Orten [keine Innerort-Zweigstellen]) im Jahr
    B = Gesamtbestand (physisch vorhandene Medien) zum Jahresende

  12. [Schulungen pro 1.000 Benutzer]
    (Indikator wird vorerst nicht angewendet)

    A ÷ B x 1.000 (auf eine Stelle hinter Komma runden)
    A = Anzahl der Schulungstermine die stattgefunden haben
    B = Zahl der Personen der primären Benutzergruppen (= Studierende und hauptamtlichen Lehrpersonen)

 

2. Ressourcenorientierte Indikatoren

  1. Ausleihen pro Mitarbeiter
    Ermittlung der Relation Personalressourcen der Bibliothek zur Anzahl der Ausleihen.
    A ÷ B (auf ganze Zahlen runden)
    A = Anzahl der Ausleihverbuchungen im Jahr (inkl. Verl.)
    B = Auf Ganztagsstellen umgerechnete Anzahl der Mitarbeiter im Jahr (nur besetzte feste Stellen, keine ABM, Praktikanten, Student. Hilfskräfte)

     
  2. Erworbene Medieneinheiten pro Mitarbeiter
    A ÷ B (auf ganze Zahlen runden)
    A = Anzahl der im Jahr erworbenen Medien pro Jahr (inkl. Tausch und Geschenk)
    B = Auf Ganztagsstellen umgerechnete Anzahl der Mitarbeiter im Jahr (nur besetzte feste Stellen, keine ABM, Praktikanten, Student. Hilfskräfte)

     
  3. Mitarbeiterstunden pro Öffnungsstunde

    Ermittlung der Mitarbeiterstunden, die je Öffnungsstunde zur Verfügung stehen.
    A ÷ B (auf eine Stelle hinter Komma runden)
    A = Mitarbeitergesamtstunden pro Jahr (theoretisch verfügbare Arbeitsstunden einschl. Urlaub und Krankheit). Besetzte, feste Stellen; keine ABM, Praktikanten, Studentische Hilfskräfte.
    B = Jahresöffnungsstunden insgesamt, mehrere Öffnungsstellen sind zu addieren

  4. Fernleihen pro Mitarbeiter
    A ÷ B (auf ganze Zahlen runden)
    A = Anzahl der aktiven und passiven Fernleihbestellungen
    B = Auf Ganztagsstellen umgerechnete Anzahl der Mitarbeiter im Jahr (nur besetzte feste Stellen, keine ABM, Praktikanten, Student. Hilfskräfte)
     
  5. Zweigstellenbestellungen pro Mitarbeiter
    Für Bibliotheken oder Bibliothekskooperationen, die ein Zweigstellensystem innerorts oder außerorts unterhalten
    A ÷ B (auf ganze Zahlen runden)
    A = Anzahl der aktiven und passiven Zweigstellenbestellungen
    B = Auf Ganztagsstellen umgerechnete Anzahl der Mitarbeiter im Jahr (nur besetzte feste Stellen, keine ABM, Praktikanten, Student. Hilfskräfte)
     
  6. Schulungen pro Mitarbeiter
    A ÷ B (auf eine Stelle hinter Komma runden)
    A = Anzahl der Benutzer-Schulungstermine, die stattgefunden haben.
    B = Auf Ganztagsstellen umgerechnete Anzahl der Mitarbeiter im Jahr (nur besetzte feste Stellen, keine ABM, Praktikanten, Student. Hilfskräfte)

 

 

Anwendung der Indikatoren

Mustererfassungstabelle für die in der Arbeitsgruppe vertretenen Bibliotheken: Ermittlung der Indikatoren (Stand: 31.12.2000)

 

  A B C D E F G H I
FHB %-Satz erreichte Zielgruppe %-Satz ext. aktive Benutzer Bestands-
umsatz
Ausleihen pro Kopf Mitarbeiter pro 1.000 Benutzer Ausgaben pro Benutzer PC-Ausstattung Vernetzte Arbeitsplätze Fernleihe passiv pro Benutzer
Ingolstadt

100 %

20 %

2,67

12

3,0

243,00

6,0

100 %

-

Kempten

78 %

23 %

0,92

23

2,1

106,00

4,9

0 %

0,6

München

75 %

19 %

0,96

16

1,6

57,13

3,4

0 %

0,1

Nürnberg

81 %

12 %

1,22

23

1,9

84,00

4,0

0 %

0,3

Wü-SW

74 %

23 %

0,93

16

2,3

74,00

3,3

9 %

1,4

Ø Wert 82 % 19 % 1,34 18 2,2 112,83 4,3 22 % 0,6
Sollwert

 

-

 

 

 

 

10,0

 

 

Interventionsgrenzwert

 

-

 

 

 

 

 

 

 

 

  J K [L] M N O P Q R
FHB ZW-Bestell. passiv pro Benutzer %-Satz aktive Fernleihe am Bestand [Schulungen pro 1000 Benutzer] Ausleihen pro Mitarbeiter Erworbene Medienein-
heiten pro Mitarbeiter
Mitarbeiter-
stunden pro Öffnungs-
stunde
Fernleihen pro Mitarbeiter ZW-Bestell. pro Mitarbeiter Schulungen pro Mitarbeiter
Ingolstadt

-

-

[28,0]

8.190

980

3,0

-

-

8,9

Kempten

-

3,8 %

[11,2]

10.086

576

3,8

738

-

5,3

München

-

1,2 %

[4,6]

10.137

626

5,9

154

-

2,9

Nürnberg

-

1,6 %

[19,2]

11.669

442

6,0

292

-

10,1

Wü-SW

-

5,3 %

[13,8]

7.104

370

5,7

-

-

5,9

Ø Wert

-

3,0 [15,4] 9.437 599 4,88 576

-

6,6
Sollwert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Interventionsgrenzwert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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