FIT für die Informationsgesellschaft (2001 - 2005)

 

II. Erfolgsfaktoren

 

3   Datenverarbeitung

 

3.1   Allgemeines

 

Das Internet wird weiterhin massive Veränderungen in der Struktur und im Angebot von Informationsdienstleistungen der Bibliotheken hervorrufen. Der Einsatz der Datenverarbeitung wird alle Arbeitsbereiche in den Bibliotheken verändern – ohne Informationstechnik wird sich fast nichts mehr bewegen. Online-Bibliotheken werden als Portale für multimediale Lerneinheiten für Studium und Weiterbildung fungieren. Digitalisierte Lehre wird als virtuelles Studienangebot zur Verfügung stehen. So entstehen virtuelle Bibliotheken und Lernwelten, die in virtuellen Hochschulen einzubringen sind. Das Wissensangebot muss zeitgemäß auf Plattformen mit modernstem Stand der Technik bereit gestellt und vermarktet werden. Schnelle und qualitätsvolle Informationen und Wissen dem Nutzer zu liefern, muss höchste Priorität der Bibliotheken sein. 

Deshalb muss im Bereich der Datenverarbeitung die Ausstattung der Bibliothek einen hohen Stellenwert haben. Es umfasst zum Einen die entsprechenden Server und Datenbanken zur Bereitstellung von Wissen und zum Anderen Endgeräte für das Retrieval und die Benutzung von Informationen. Jede DV-Investition muss nach den anerkannten Abschreibungszeiträumen reinvestiert werden.
Durch Kooperation mehrerer Bibliotheken im Bereich Server-Hardware und Informationsbereitstellung lassen sich Personal- und Sachmittelressourcen bündeln. So entstehen freie Kapazitäten für den dringend auszubauenden Support im Benutzungs- und Schulungsbereich.
Für die Benutzer werden künftig deutlich mehr PCs als früher benötigt. Nur in der Bibliothek erhalten die Studierenden den unerlässlichen unmittelbaren „man support", bei langen Öffnungszeiten. Die dynamische Entwicklung hin zu digitalen, multimedialen Lernorten erfordert zwangsläufíg mit modernster DV-Technik ausgestattete Publikumsbereiche.
Investitionen im Bereich der Datenverarbeitung müssen künftig spürbar gesteigert werden. Auch der laufende Unterhalt und die stetige Weiterentwicklung erfordern wesentlich mehr Personal- und Sachmittel als heute.
 

3.2   Bibliotheksverbund Bayern und lokale Bibliothekssysteme

 

Der Bibliotheksverbund Bayern (BVB) und die verbundtechnischen Einrichtungen bilden die organisatorische und technische Plattform der bayerischen Bibliotheks-EDV-Infrastruktur. Die Verbundzentrale mit der zentralen Verbunddatenbank einerseits und die lokalen Systeme andererseits bewirken durch ihr Zusammenspiel Synergieeffekte, die durch die Nutzung von Fremddaten und die Vermeidung von Schnittstellenproblemen entstehen. Diese zukunftsweisende Entwicklung ist ganz wesentlich durch ein einheitliches Landeskonzept entstanden. An allen bayerischen staatlichen Hochschulbibliotheken, der Bayerischen Staatsbibliothek sowie den meisten staatlichen Regionalbibliotheken ist das Produkt SISIS im Einsatz. 

Ein wesentlicher Punkt ist die durch die Homogenität entstandene Ressourcenbündelung und der damit zusammenhängende effiziente Einsatz von Personal- und Sachmitteln. Dieser Gewinn muss in neue, offensive DV-Zukunftsprojekte investiert werden. Es ist z B. gelungen bei der BVB-Verbundzentrale ein schlagkräftiges Team zur Anwenderbetreuung aufzubauen auf das gerade die Fachhochschulbibliotheken mit begrenzten personellen DV-Ressourcen besonders angewiesen sind. Außerdem können Kolleginnen und Kollegen untereinander Erfahrungen austauschen sowie lokal entwickelte Zusatzbausteine auch von anderen Bibliotheken genutzt werden.
Bei heterogenen lokalen Systemen wäre all dies viel schwieriger umzusetzen, wenn nicht gar unmöglich. Außerdem wäre ein viel höherer Personalaufwand erforderlich.

Gleichwohl ist der Administrationsaufwand für die lokalen Bibliothekssysteme sehr hoch und komplex. Die Betreuung muss zwingend sichergestellt und den damit betrauten Personen ständige Fortbildung ermöglicht werden.

Alle Arbeitsabläufe in den Fachhochschulbibliotheken erfolgen durch den Einsatz des integrierten Bibliotheksautomatisierungssystems SISIS überwiegend computerunterstützt. Dieses modular aufgebaute System ermöglicht einen sukzessiven Einsatz. Mit dem OPAC-Modul kann der Benutzer über das Internet nicht nur recherchieren, sondern auch alle Ausleihfunktionalitäten nutzen. Die Module SIAS und SIERA werden schrittweise eingeführt. Mit der Version SISIS-SunRise wird eine moderne Client-Server-Architektur eingesetzt. 
Einen Überblick über den Einsatz der SISIS-Module zeigt Tabelle 6.
 

3.3   Kooperation von Bibliotheks-DV-Systemen

 

Durch Zusammenarbeit lässt sich die Anzahl lokaler Bibliothekssysteme verringern, was zu Minderungen sowohl bei den einmaligen Beschaffungskosten als auch bei den laufenden Kosten führen kann. Für solche Kooperationen gibt es derzeit drei Lösungsansätze:

  • Kooperation von Bibliotheken am Ort - (Modell Regensburg mit UB, FHB, SB)
  • Kooperation mehrerer gleichartiger Bibliotheken - (Modell FHB Würzburg-Schweinfurt, FHB Aschaffenburg, SB Aschaffenburg, FHB Coburg)
  • Datenbanken verschiedener Bibliotheken auf einem Server

Bei den beiden ersten Lösungen besteht eine Vollintegration, d.h. es gibt nur eine Datenbank für Medien- und Benutzerdaten. Bei der dritten Variante werden mehrere Datenbanken bedient, die auf einem einzigen Server administriert werden. Für dieses Modell, das von den Fachhochschulbibliotheken favorisiert wird, werden zurzeit die technischen Voraussetzungen geprüft.

Derzeit gibt es folgende Kooperationen, an denen Fachhochschulbibliotheken beteiligt sind:

  • FHB Regensburg, UB Regensburg, SB Regensburg ("Regensburg-OPAC")
  • FHB Ingolstadt, UB Eichstätt (mit Zweigstelle Ingolstadt)
  • Regionales System WÜ-SW-AB-(CO) (FHB Würzburg-Schweinfurt, FHB Aschaffenburg, SB Aschaffenburg, FHB Coburg ab ca. Herbst 2002) 

Bei allen dreien handelt es sich um eine Vollintegration.

Für die Einrichtung solcher lokaler bzw. regionaler Kooperationen müssen bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt sein: Die jeweiligen Serverstandorte sind mit ausreichend dimensionierten Servern und dem notwendigen Personal zur Sicherstellung des laufenden Betriebes auszustatten. Vertragliche Regelungen sollten die Basis für Kooperationen sein.
 

3.4   Elektronische Ressourcen und Zugriffstechnik

 

Auf das komplette elektronische Angebot der Bibliothek sollte über das Intra-/Internet zugegriffen werden können. Die WebSite der Bibliothek ist das Zugangsportal zu allen virtuellen Dienstleistungen.
Zu nennen wären zuvorderst Fachinformationen, Datenbanken und elektronische Publikationen. Im Rahmen von so genannten „Digitalen Bibliotheken" lassen sich für Endnutzer einheitliche Retrievaloberflächen anbieten. Berechtigten Endnutzern muss der Zugriff auf lizenzierte Ressourcen weltweit durch geeignete Authentifizierungssoftware ermöglicht werden. 

Alle Online-Ressourcen, deren Zugriffe nicht direkt über den jeweiligen Anbieter (Host) abgewickelt werden, müssen als CD-ROM oder Volltext auf Servern der Bibliotheken administriert werden. 
Hierbei sollten kooperative Lösungen angestrebt werden. Zugriffsmöglichkeiten für andere Fachhochschulbibliotheken sollten gewährleistet sein, isolierte Lösungen vermieden werden. Hierzu zählen Server für bibliografische CD-ROMs, Multimedia-CD-ROMs und Volltexte. Die Möglichkeiten reichen von der Zusammenarbeit unter den Fachhochschulbibliotheken über den Anschluss an benachbarte Bibliotheken bis zu verbundweiten Lösungen.

Im Bereich der textbasierten CD-ROMs existiert mit dem zentralen FH-CD-ROM-Server bereits ein kooperatives Modell. Alle Fachhochschulbibliotheken können auf diesen Server, der durch die FHB München beschafft wurde, zugreifen und lizenzabhängig die aufliegenden Datenbanken und Publikationen nutzen. 
Multimediaprodukte halten zunehmend Einzug in die Bibliotheken. Es gehört zu den innovativen Aufgaben multimediale Lehr- und Lernsoftware den Benutzern zur Verfügung zu stellen. 

In der Hochschule vorhandene, teils selbst produzierte Dokumente und elektronische Studienmaterialien müssen an zentraler Stelle gesammelt, erschlossen und zur Benutzung bereit gestellt werden. Lehr- und studienrelevante Materialien wie z.B. Vorlesungsskripten können über das Internet verfügbar gemacht werden. Auch kommerzielle Lernprogramme werden künftig eine große Rolle spielen.

Bei der Multimedianutzung über das Internet sind im Besonderen leistungsstarke Anschlüsse der Bibliotheken an das Wissenschaftsnetz notwendig. 
 

3.5   EDV-Ausstattung

 

Die Bibliothek ist die zentrale Einrichtung für die Wissensvorhaltung, -erschließung und -vermittlung. Als multimediale Informations- und Serviceeinrichtung muss sie mit ausreichender Hard- und Software bestückt sein, die auf dem aktuellen Stand der Technik gehalten werden muss.
Zur Grundausstattung gehören Server für das Bibliotheksautomatisierungssystem SISIS, für CD-ROM-Applikation, für multimediale Lehr- und Lernsoftware und für Volltexte, jeweils an Standorten an denen die Anwendung bereit gestellt werden soll.

Für Mitarbeiter und Benutzer muss eine ausreichende Anzahl von Endgeräten zur Verfügung stehen. Folgende Richtwerte sind hier zu nennen:
 

1 PC pro Mitarbeiter bzw. Stelle
1 PC pro 100 Studierender/Benutzer (= 1%)
1 Drucker pro 2 PC (Netzdrucker können die benötigte Anzahl verringern – je nach lokalen Gegebenheiten)

 

Der Richtwert von 1% der potenziellen Bibliotheksbenutzer ist als Minimum anzusetzen.
Alle PCs müssen multimediafähig ausgestattet sein. Das heißt, neben Text- und Bilddokumenten muss der Benutzer auch Film- und Tondokumente auf CD-ROM oder aus dem Internet problemlos nutzen können.

Neben PCs und Druckern sollten im Bibliotheksverwaltungsbereich Flachbettscanner, Scanner für die Ausleihverbuchung und CD-Brenner, im Benutzungsbereich ebenfalls Flachbettscanner zur Dokumentbearbeitung vorhanden sein.
Die Soll-Ausstattung mit PCs ist der Tabelle 7 zu entnehmen. Berücksichtigt ist die tatsächliche Anzahl der Studierenden (Stand: WS 2001/02), wo noch nicht erreicht, die Ausbauzielzahl. Die Sollzahl ist an manchen Fachhochschulbibliotheken bei Weitem noch nicht erfüllt. 

Größere Standorte sollten über ein FAX/E-Mail-Scanner für die schnelle Dokumentlieferung verfügen. An Software sollten den Benutzern neben den üblichen Retrieval- und Internetnutzungsprogrammen auch Standardsoftware zu Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentation zur Verfügung stehen.

Wünschenswert für die Benutzer sind, neben der Bereitstellung von PCs, weitere DV-Anschlüsse, an denen mitgebrachte Laptops benutzt werden können. Hierbei ist aber eine entsprechende Infrastruktur mit Absicherung des Hochschulnetzes erforderlich.
 

3.6   EDV-Kosten

 

Zu den Kosten der Datenverarbeitung gehören der Neu-, der Reinvestitionsbedarf und die jährlichen laufenden Kosten.
 

Neu-, Reinvestitionskosten

Diese Kosten umfassen die unter Punkt II. 3.5 genannten Server und Endgeräte, die unmittelbar dazugehörige und den Benutzern zusätzlich angebotene Software. Vor dem Kauf muss der Markt zum Zwecke der Angebotseinholung beobachtet werden. Wegen sich ständig ändernder Produktpaletten können hier keine Zahlen genannt werden.

Bei Reinvestitionen müssen die jeweiligen Abschreibungszeiträume berücksichtigt werden. Gerade im EDV-Bereich sind Ersatzbeschaffungen Pflicht, um das elektronische Informationsangebot zeitgemäß präsentieren und nutzen zu können.
Die daraus resultierenden Reinvestionskosten betreffen die komplette EDV-Technik: Server, Endgeräte und die Netztechnik. Zur Kostenermittlung sollten alle vorhandenen EDV-Komponenten in einer Tabelle festgehalten und neu hinzukommende Komponenten ergänzt werden. Aus der Tabelle soll das jeweilige Beschaffungsjahr, die Abschreibungszeit, das Jahr der Ersatzbeschaffung und der voraussichtliche Mittelbedarf dafür hervorgehen. So können die in den betreffenden Jahren anfallenden Reinvestionskosten abgelesen und für Haushaltsbeantragungen begründet werden. Die Tabellen sollten angesichts ständiger Kostenänderungen und Innovationen jährlich fortgeschrieben werden.
Ein Muster (Tabelle 8) ist angefügt.
 

Jährliche, laufende Kosten

In erster Linie schlagen hier Hardwarewartungs- und Softwarepflegekosten für Server und Anwendungssoftware zu Buche. 
Dies betrifft vor allem Server und Software für das Bibliotheksautomatisierungssystem SISIS, für CD-ROM-, Multimedia- und Volltextserver. 
Hinzu kommen lokale Aufwendungen für verschiedene Verbrauchsmaterialien wie z.B. CDRs, Disketten, Toner, Tinte, Medienetiketten und Benutzerausweise.
Hierbei richten sich die Eckwerte nach den lokalen Verhältnissen, wie z.B. Zugang der Medieneinheiten pro Jahr oder Anzahl der Neuanmeldungen im Bibliothekssystem pro Jahr.

 

liniegelb

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